Die Legehenne:
ein ganz besonderes Huhn
Legehennen sind ganz besondere Tiere.
Trotz der Erfahrungen im Legebetrieb zeigen viele von ihnen, sobald sie Sicherheit und Zuwendung erfahren, eine erstaunliche Zutraulichkeit und Lebensfreude.
Neben ihrem neugierigen und lebensfrohen Wesen bringen sie jedoch häufig einen stark beanspruchten, überzüchteten Körper mit in ihr neues Zuhause.
Eine einfühlsame, begleitende naturheilkundliche Behandlung kann diesen wunderbaren Tieren helfen, Beschwerden zu lindern und ihnen noch eine möglichst schöne und lebenswerte Zeit zu schenken.

Warum Legehennen mein Herzensthema sind
Dori - mein Weg zur Tierheilpraktikerin
Legehennen begleiten mich seit April 2022, als meine Familie und ich den Entschluss gefasst haben, fünf ausrangierte Legehennen über den Verein Rettet das Huhn e. V. bei uns aufzunehmen. Dieser Schritt hat meinen Blick auf Tiergesundheit und Tierwohl nachhaltig verändert.
Ich hätte nie gedacht, wie außergewöhnlich diese Hühner sind – wie zutraulich, aufmerksam und individuell. In ihrer Art erinnern sie mich oft an Hunde: sie suchen Nähe, bauen Vertrauen auf und entwickeln eine tiefe Bindung. Dass man Hühner so lieb haben kann, hätte ich mir zuvor nicht vorstellen können.
Durch sie habe ich erfahren, wie viel Sensibilität, Vertrauen und Lebenswille in diesen oft unterschätzten Tieren steckt. Trotz ihrer Vergangenheit sind sie bereit, sich erneut auf Nähe einzulassen, neugierig zu bleiben und das Leben anzunehmen. Mein Weg mit Legehennen ist daher eng verbunden mit dem Wunsch, ihnen nach schweren Erfahrungen ein würdevolles und möglichst beschwerdearmes Leben zu ermöglichen.
Sie sollen erleben dürfen, wie es ist, den blauen Himmel zu sehen, Gras unter den Füßen zu spüren, die warme Sonne im Gefieder zu fühlen – und die Sicherheit zu haben, immer genug Nahrung, Schutz und Fürsorge zu erfahren.
Dori
Unter den fünf geretteten Legehennen kam auch Dori zu uns – deutlich gezeichnet von ihrem Leben in der Bodenhaltung. Ihr Körper war so erschöpft, dass sie nicht mehr in der Lage war, weiter Eier zu legen. Trotz intensiver Calciumgaben kam es beinahe zu einer lebensbedrohlichen Legenot. Schließlich wurde die Eierproduktion tierärztlich mithilfe eines Hormonpräparates stillgelegt.
Dori konnte sich daraufhin zunächst gut erholen. Sie nahm an Gewicht zu, entwickelte ein dichtes, schönes Gefieder und gewann sichtbar an Kraft. Dennoch blieb sie ein Dauergast beim Tierarzt. Trotz der hormonellen Dauerbehandlung kam es immer wieder zu Entzündungen des Legeapparates. Im weiteren Verlauf bildeten sich Exsudate in Form sogenannter Schichteier, die zunehmend Raum im Bauchraum einnahmen.
Diese Veränderungen führten schließlich zu neurologischen Ausfällen: Dori konnte sich nicht mehr sicher auf den Beinen halten. Als die entzündliche Masse zusätzlich die Atmung beeinträchtigte, riet der Tierarzt schweren Herzens zu einer Euthanasie.
Nach einem Jahr in Freiheit mussten wir Abschied von Dori nehmen. Die Trauer war groß – und zugleich die Dankbarkeit. Dankbar dafür, dass sie dieses Jahr erleben durfte: alle Jahreszeiten, frische Luft, Sonne auf dem Gefieder, Gras unter den Füßen und das Leben als Henne, so wie es eigentlich gedacht ist.
Mein Weg zur Tierheilpraktikerin
Doris Geschichte hat mich tief geprägt. Sie hat mir gezeigt, wie begrenzt manche schulmedizinischen Möglichkeiten sind – und wie wichtig es ist, den Blick zu erweitern. Der Wunsch, Hühner wie Dori ganzheitlicher zu begleiten, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten, wurde immer stärker.
Die Erfahrungen mit Dori und meinen anderen geretteten Legehennen haben mir deutlich aufgeführt, wie komplex und herausfordernd die gesundheitliche Situation gerade bei stark überzüchteten Legehennen ist. In vielen Fällen reicht eine rein naturheilkundliche Behandlung nicht aus. Solange die Ovulation weiterläuft und der Körper immer neue Follikel bildet, ist eine vollständige Erholung des Legeapparates oft nicht möglich.
Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig es ist, in solchen Situationen nicht allein zu bleiben. Die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachtierärztinnen und Fachtierärzten, die über fundiertes anatomisches und physiologisches Wissen verfügen und bildgebende Verfahren sicher einsetzen, ist für mich ein wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Begleitung.
Diese Erfahrungen und Erkenntnisse waren der ausschlaggebende Grund für meine Entscheidung, Tierheilpraktikerin zu werden. Ich möchte für Halterinnen und Halter da sein, die unsicher sind, Fragen haben und nicht wissen, wie sie ihrem Huhn bestmöglich helfen können.
Genau hier setzt meine Arbeit an.
Ich begleite Legehennen naturheilkundlich und ergänzend zur tierärztlichen Behandlung – von der ersten Einschätzung über die Unterstützung bei Erkrankungen des Legeapparates bis hin zur palliativen Begleitung bei tumorösen Erkrankungen. Auch in schweren Situationen stehe ich beratend zur Seite, mit dem Ziel, Beschwerden zu lindern, Lebensqualität zu erhalten und Tier und Mensch nicht allein zu lassen.
Darüber hinaus unterstütze ich selbstverständlich auch bei den „klassischen“ Hühnererkrankungen wie Erkältungskrankheiten, Parasitenbefall oder Ballenabszessen. Ebenso gehört die Beratung zu artgerechter Haltung, Fütterung und Prophylaxe zu einem wichtigen Bestandteil meiner Arbeit – denn viele gesundheitliche Probleme lassen sich durch angepasste Bedingungen positiv beeinflussen.
Diese Form der Begleitung ist geprägt von Achtsamkeit, Ehrlichkeit und Mitgefühl – und von dem Wunsch, jedem Huhn so viel Wohlbefinden und Würde wie möglich zu schenken.
Galerie
Meine fünf geretteten Legehennen von 2022
Auf den nachfolgenden Fotos sind meine ersten Legehennen zu sehen, die ich im April 2022 übernommen und wieder aufgepäppelt habe. Aktuell leben noch Anneliese und Conny aus dieser Gruppe bei mir.















